In vielen Industrieunternehmen werden Anlagen seit Jahren schrittweise optimiert. Auch wenn einzelne Teilanlagen effizient betrieben werden, kann der Gesamtstandort weit vom wirtschaftlichen Optimum entfernt sein.
Grund dafür können komplexe Kopplungen der Systeme untereinander, zeitabhängige Kosten und Erlöse oder die notwendige Berücksichtigung von Prognosen sein. So kann der Betrieb eines für sich betrachtet weniger effizienten Kessels in bestimmten Situationen ökonomisch sinnvoll sein, wenn Brennstoffpreise, Stromerzeugungskopplungen oder Speicherzustände definierte Bedingungen erfüllen.

Standortoptimierung auf Prozessebene sowie übergeordnete Regelung durch die EPOC® Suite
Durch ein standortweites Optimierungssystem gelingt der Übergang vom lokalen Optimum (z. B. Betrieb einer Wärmepumpe bei maximalem COP) zum Gesamtoptimum (z. B. Betrieb zu den wirtschaftlich günstigsten Zeiten, auch wenn die Maschine dabei zeitweise weniger effizient arbeitet).
Das Standortmodell
Ein typischer Industriestandort verfügt neben Produktionsanlagen über unterschiedliche Energieträger, Dampferzeuger, Speicher und Strombezüge. Jede dieser Komponenten besitzt technische sowie wirtschaftliche Randbedingungen wie Mindestlasten, Wirkungsgrade, An- und Abfahrzeiten, Brennstoffkosten und Emissionen.
Auf der Abnahmeseite schwanken Energiebedarf und Preise des Standorts sowohl im Tagesverlauf als auch längerfristig. Zusätzlich gewinnt die Einpreisung verursachter Emissionen immer mehr an Bedeutung.
Im Gegensatz zur prozessnahen Optimierung (welche Anlage läuft am effizientesten?) lautet daher die Frage aus Sicht des Standorts, welche Kombination aller verfügbaren Anlagen zum jeweiligen Zeitpunkt wirtschaftlich optimal ist.
Aus Betriebsregeln wird ein Optimierungsproblem
Die standortweite Problemstellung ist nicht neu und wurde bisher in vielen Fällen über definierte Betriebsregeln gelöst. Dass diese in der Vergangenheit gut funktioniert haben und nun immer mehr an ihre Grenzen kommen, hat einen Grund: die Komplexität des Gesamtsystems nimmt durch dynamische Preise und die Integration von Energiespeichern deutlich zu.
War beispielsweise die Entscheidung zwischen einem Kessel und einem BHKW ohne weitere Bedingungen durch den Vergleich der effektiven Wärmeerzeugungskosten zum Zeitpunkt t möglich, hängt diese bei Einführung eines Wärmespeichers sowie veränderlicher Strompreise plötzlich auch von den zukünftigen Zuständen t+1, t+2, … aller daran gekoppelten Anlagen ab.
Sollen dann auch noch bekannte Limitierungen wie Mindestlaufzeiten oder An- und Abfahrkosten bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden ist aus klar zu folgenden Betriebsregeln ein vollumfängliches, dynamisches Optimierungsproblem entstanden.

Exponentieller Anstieg der theoretisch möglichen Fahrpläne bei n Betriebsmodi und x Komponenten
War die Anzahl der definierten, unterschiedlichen Fahrweisen zuvor meist an einer Hand abzählbar, explodieren die theoretischen Möglichkeiten durch die entstandenen Freiheitsgrade bereits bei einer geringen Anzahl zu schaltender Anlagen über die nächsten Stunden. (z. B. bei stündlicher Ansteuerung wie An/Aus bzw. Leistung hoch/absenken ergeben sich bei 4 Komponenten über den nächsten Tag 296 theoretische Fahrpläne).
Da auch für leistungsstarke Computer ein reines „ausprobieren“ bei dieser Zahl an Möglichkeiten nicht funktioniert, verwendet man spezialisierte Optimierungssolver, welche durch eine Vielzahl an Maßnahmen die Komplexität des Gesamtproblems reduzieren und damit in Echtzeit lösbar machen. Je nach Problemstellung kommen dabei u. a. lineare Optimierungsmodelle, gemischt Ganzzahlige oder nichtlineare Optimierungsverfahren zum Einsatz.

Standortoptimierung auf Prozessebene sowie übergeordnete durch die EPOC® Suite bei UPM Schongau
In der Praxis ist der Solver selten das größte Problem
Ein wesentlicher Teil der Arbeit liegt meist in der hinreichend genauen Modellierung des Industriestandortes. Dazu notwendig sind einerseits zuverlässige Messdaten, andererseits Kenntnis über die betrieblichen Restriktionen.
Manche Grenzen sind technischen Dokumentationen entnehmbar, andere existieren nur als Erfahrungswissen des Betriebspersonals. Diese zusammenzuführen, schrittweise zu verifizieren und iterativ zu hinterfragen ist eine der Schlüsselstellen hin zu einer standortweiten Optimierung.
Für die erfolgreiche Closed-Loop Optimierung muss daraus ein Gesamtproblem erstellt werden. Dabei sind Optimierungsparameter und -horizonte geeignet zu wählen, sodass sowohl die geforderte Granularität gegeben als auch die maximalen Ausführungszeiten eingehalten werden.

Übergeordnete Dampf- und Wärmenetzoptimierung durch die EPOC® Module Steammanager und EMS
Vom effizienten Prozess zum optimierten Standort
Voraussetzung für die Hebung von Standortpotenzialen ist daher ein Perspektivenwechsel: statt ausschließlich einzelne Aggregate möglichst effizient zu betreiben muss der Industriestandort als zusammenhängendes System betrachtet werden.
Dadurch können Abhängigkeiten zwischen Produktion, Energiewandlern, Speichern und Strompreisen systematisch genutzt werden.
Von der lokalen Anlagenoptimierung wechselt der Blick auf den optimalen Betriebspunkt des gesamten Standorts.

Dipl.-Ing. Sebastian Sturm
Senior Consultant Advanced Process Control (APC), CONENGA Group
Dipl.-Ing. Sebastian Sturm ist Senior Consultant im Bereich Advanced Process Control (APC) bei der CONENGA Group und verantwortet seit 2023 als Team Lead die Weiterentwicklung datenbasierter Regelungs- und Optimierungslösungen für industrielle Energieanlagen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung komplexer Regelungsstrategien, der Analyse von Prozessdaten sowie der Integration moderner Cloud- und Data-Science-Technologien in industrielle Automatisierungssysteme.
Seit 2019 arbeitet er bei CONENGA an der Entwicklung und Implementierung fortschrittlicher Regelungssysteme für Energie- und Industrieanlagen. Dabei verbindet er Methoden der modellbasierten Regelungstechnik mit datengetriebenen Analyseverfahren, um Effizienz, Stabilität und Emissionsverhalten komplexer Prozesse nachhaltig zu verbessern.
Dipl.-Ing. Sturm studierte Technische Physik sowie Energie- und Automatisierungstechnik mit Schwerpunkt Energietechnik, Energiewirtschaft und Umwelt an der TU Wien. Bereits während seines Studiums beschäftigte er sich intensiv mit Energiesystemanalyse, Kraftwerkseinsatzplanung und der Optimierung von Energiesystemen.
Vor seiner Tätigkeit bei CONENGA sammelte er praktische Erfahrung in der Analyse von Prozessdaten, Investitionsrechnungen und Szenarienanalysen für Industriekraftwerke. Zudem war er in verschiedenen Projekten zur Entwicklung von Optimierungsmodellen für Energie- und Kraftwerkssysteme tätig, unter anderem im Umfeld von Energiehandel und Kraftwerksbetrieb.
Seine Arbeit verbindet fundierte Kenntnisse der Regelungstechnik, Datenanalyse und Softwareentwicklung mit praxisorientierten Engineering-Lösungen für moderne Energie- und Industrieanlagen.
Expertise
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Advanced Process Control (APC) und modellbasierte Regelung
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Datenanalyse und Prozessoptimierung für Energieanlagen
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Cloud-basierte Industrieanwendungen und Data Science
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Entwicklung komplexer Regler auf Automatisierungsplattformen
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Energiesystemanalyse und Kraftwerkseinsatzplanung
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Softwareentwicklung für technische Anwendungen
Fokusbereiche bei CONENGA
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Entwicklung und Implementierung intelligenter Regelungssysteme
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Optimierung von Biomasse- und Energieanlagen
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Datenbasierte Prozessanalyse und Modellierung
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Integration von Cloud-Technologien in industrielle Systeme
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Technische Leitung von APC- und Optimierungsprojekten





