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Wann wird für eine Bestandsanlage eine HAZOP notwendig?

Viele Industrieanlagen werden über viele Jahre hinweg erfolgreich betrieben. Während dieser Zeit werden Sensoren und Pumpen ersetzt, Rohrleitungen angepasst, die Leittechnik modernisiert oder ganze Anlagenteile optimiert. Jede einzelne Änderung verfolgt klare Ziele: die Anlage zuverlässiger und effizienter zu machen und zukunftssicher zu betreiben. 

Mit zunehmendem Alter der Anlage stellt sich jedoch häufig eine entscheidende Frage: Entspricht die sicherheitstechnische Bewertung der Anlage eigentlich noch dem aktuellen Zustand?
Gerade bei älteren Bestandsanlagen zeigt sich, dass die ursprüngliche Planung und der aktuelle Anlagenzustand in vielen Punkten und Details nicht mehr übereinstimmen. Komponenten, Sensorik und Aktorik wurden erneuert, Prozesse angepasst und die Dokumentation nicht immer vollständig mitgezogen. Oft fehlen bei älteren Anlagen die Unterlagen zu einer vollständige HAZOP oder die Unterlagen bilden den aktuellen Anlagenzustand nur noch teilweise ab.

Spätestens wenn größere Umbauten geplant sind, eine sicherheitstechnische Überprüfung anstehen oder Behörden und Sachverständige Nachweise verlangen, rückt dieses Thema in den Fokus.

Nicht jede Änderung ist gleich einzustufen

In der Praxis werden häufig Begriffe wie Austausch, Modernisierung, Optimierung oder Umbau synonym verwendet. Aus sicherheitstechnischer Sicht können diese Maßnahmen jedoch unterschiedliche Auswirkungen haben und sind dementsprechend handzuhaben

Der Austausch von Aggregaten (z.B. einer Pumpe) gegen technisch gleichwertige Modelle oder der Ersatz eines Messgeräts im Rahmen der Instandhaltung ist sicherheitstechnisch ganz anders zu bewerten wie beispielsweise die Integration eines zusätzlichen Wärmetauschers, die Anpassung von Betriebsparametern oder Änderungen an sicherheitsrelevanten Steuerungsfunktionen.

Je tiefer eine Änderung in bestehende Prozesse oder Schutzfunktionen eingreift, desto wichtiger wird die Frage, welche Auswirkungen sie auf die Sicherheit der Gesamtanlage hat. 

Dabei lässt sich nicht pauschal beantworten, welche Maßnahmen erforderlich sind. Vielmehr ist eine projektbezogene Bewertung notwendig, bei der sowohl die technischen Änderungen als auch die geltenden regulatorischen Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

Muss deshalb immer eine komplette HAZOP durchgeführt werden? Die kurze Antwort lautet: Nein.

Nicht jede Änderung macht eine vollständige Neubewertung der gesamten Anlage erforderlich.

Sketch conenga group potenzialstudie

Häufig reicht es aus, den betroffenen Anlagenbereich gezielt zu untersuchen und die Auswirkungen auf angrenzende Systeme zu bewerten. Eine Teil-HAZOP kann beispielsweise eine geeignete Vorgehensweise sein, wenn sich Änderungen auf klar abgegrenzte Bereiche beschränken.

Anders kann die Situation aussehen, wenn sich über viele Jahre zahlreiche Umbauten angesammelt haben oder keine nachvollziehbare sicherheitstechnische Bewertung der Gesamtanlage vorliegt. In solchen Fällen kann eine umfassendere Betrachtung sinnvoll sein, um den aktuellen Anlagenzustand strukturiert zu bewerten. Entscheidend ist dabei nicht die Größe einer einzelnen Änderung, sondern deren Einfluss auf das Sicherheitskonzept der Anlage.

Die größte Herausforderung

Aus unserer Erfahrung besteht die eigentliche Herausforderung bei Bestandsanlagen häufig nicht in der Durchführung der HAZOP selbst, sondern bereits in der Vorbereitung.

  • Sind die vorhandenen R&I-Fließbilder aktuell?
  • Welche Änderungen wurden in den vergangenen Jahren umgesetzt?
  • Welche Schutzfunktionen wurden angepasst?
  • Welche Dokumentation steht überhaupt noch zur Verfügung?

Gerade bei Anlagen, die über Jahrzehnte optimiert und angepasst wurden, finden sich Informationen häufig in unterschiedlichen Dokumenten oder nur mehr im Erfahrungswissen der Mitarbeitenden.

Deshalb beginnt eine HAZOP für Bestandsanlagen in vielen Fällen zunächst mit der gemeinsamen Bestandsaufnahme. Es gilt den tatsächlichen Anlagenzustand und die Verfügbarkeit und Aktualität der zugehörigen Dokumentation möglichst vollständig zu erfassen und daraus einen sinnvollen Untersuchungsumfang abzuleiten.

Eine HAZOP lebt vom Wissen der Menschen

Keine Dokumentation kann das Wissen derjenigen ersetzen, die eine Anlage täglich betreiben.

Deshalb bringen erfolgreiche HAZOP-Workshops unterschiedliche Perspektiven zusammen: Betrieb, Instandhaltung, Verfahrenstechnik, EMSR-Technik und Projektierung. Erst im gemeinsamen Austausch entsteht ein vollständiges Bild der Anlage.

Gerade bei Bestandsanlagen zeigt sich dabei häufig, dass langjährige Betriebserfahrungen wertvolle Hinweise liefern, die aus Plänen allein nicht ersichtlich wären.

Ingenieurin, gelber Helm, Frau

Unser Ansatz bei CONENGA

Jede Bestandsanlage hat ihre eigene Geschichte. Deshalb gibt es auch keine einfache Standardlösung, sehr wohl aber ein erfahrungsbasiert klar gegliedertes Vorgehen.

Unser Ziel ist es zunächst, gemeinsam mit dem Betreiber zu verstehen, wo die eigentliche Aufgabenstellung liegt:

  • Welche Änderungen wurden vorgenommen?
  • Welche Nachweise liegen bereits vor?
  • Welche Fragestellung soll beantwortet werden?
  • Welcher Untersuchungsumfang ist sinnvoll und angemessen?

Auf dieser Grundlage gestalten wir mit unseren Kunden gemeinsam den Prozess von der Vorbereitung über die Moderation der HAZOP bis hin zur Umsetzung und nachvollziehbaren Dokumentation der Ergebnisse. Die Rollen gestalten wir nach den bestehenden kundenseitigen Möglichkeiten und stellen so auch möglichst schonenden Umgang mit Ressourcen sicher.

Wir legen besonderen Wert auf eine pragmatische Vorgehensweise. Nicht der größtmögliche Untersuchungsumfang steht im Mittelpunkt, sondern eine strukturierte und nachvollziehbare Bewertung, die zur jeweiligen Anlage und zum Projekt passt und das bestehende Know-how bestmöglich einbezieht.