EPOC® EMS als Dirigent – Wenn das Energiesystem zum Orchester wird
In einer industriellen Anlage arbeiten viele Systeme gleichzeitig: Dampferzeuger, Trockner, Verbraucher, Speicher, elektrische Systeme und Produktionsanlagen. Schwankende Energiepreise, unterschiedliche Betriebszustände und zunehmend auch die Möglichkeit, Energie flexibel am Markt zu handeln erhöhen die Komplexität zusätzlich.
Jedes dieser Systeme hat seine eigene Aufgabe. Die eigentliche Herausforderung entsteht dort, wo sie miteinander verbunden sind.
Ich vergleiche das gerne mit einem Orchester.
Ein Orchester besteht aus vielen einzelnen Instrumenten. Jedes davon kann für sich funktionieren. Entscheidend für das Zusammenspiel ist aber nicht nur, dass jeder Musiker sein Instrument beherrscht. Entscheidend ist, dass alle im richtigen Moment zusammenspielen.
Genau hier beginnt die Aufgabe eines modernen Energy Management Systems.
Viele Systeme, ein Gesamtsystem
Industrielle Energieversorgung ist selten ein statisches System. Lasten verändern sich, Produktionsprozesse fahren hoch oder herunter, Energiepreise schwanken und Verfügbarkeiten ändern sich. Wer einzelne Anlagen isoliert optimiert, kann deshalb nur einen Teil des hohen Potenzials betrachten. Ein Dampferzeuger kann effizient betrieben werden. Ein Trockner kann seinen Energiebedarf optimieren. Ein Dampfsystem kann auf unterschiedliche Betriebszustände reagieren. Ein Energiespeicher kann gezielt eingesetzt werden.
Aber was passiert, wenn diese Systeme gleichzeitig betrachtet werden?
Dann geht es nicht mehr um die Optimierung einzelner Instrumente. Es geht um das Zusammenspiel des gesamten Orchesters.
Der Dirigent kennt nicht nur die Instrumente
Ein guter Dirigent spielt nicht jedes Instrument selbst. Er muss verstehen, was jedes Instrument leisten kann, wie die einzelnen Stimmen zusammenpassen und wann welcher Einsatz sinnvoll ist.
Ähnlich sehe ich die Rolle eines Energy Management Systems.
Es übernimmt nicht die Aufgaben der bestehenden Leittechnik. Vielmehr schafft es eine übergeordnete Ebene, auf der Energieerzeugung, Energieverbrauch und Produktionsanforderungen gemeinsam betrachtet werden können. Dafür müssen zunächst die Zusammenhänge verstanden werden. Welche Verbraucher hängen voneinander ab? Welche Anlagen können flexibel gefahren werden? Wo bestehen technische Grenzen? Welche Betriebszustände sind sinnvoll? Und welche Auswirkungen hat eine Änderung an einer Stelle auf das Gesamtsystem?
Das lässt sich nicht mit einer einfachen Wenn-dann-Logik beantworten.
Aus Daten wird ein Fahrplan
Ein modernes Energy Management System muss deshalb mehr können, als Energieverbräuche zu messen und in einem Dashboard darzustellen. Es muss aus Betriebsdaten, Prognosen und Marktinformationen ableiten können, wie ein Standort sinnvoll betrieben werden kann.
Bei EPOC® EMS geschieht das über eine individuelle mathematische Modellierung des jeweiligen Standorts. Die vorhandenen Anlagen und ihre Zusammenhänge werden dabei nicht als isolierte Einheiten betrachtet, sondern als Teile eines Gesamtsystems. Auf dieser Grundlage können automatisierte Fahrpläne entstehen. Dabei fließen unterschiedliche aktuelle und prognostizierte Werte wie beispielsweise Betriebszustände, Energiepreise und Wetterdaten ein. Auch verschiedene Energiemärkte können berücksichtigt werden – vom Day-Ahead- und Intraday-Handel bis hin zur Regelenergie.
Der Dirigent kennt also nicht nur das Orchester. Er weiß auch, was in der nächsten Stunde oder am nächsten Tag passieren könnte.
Der Takt kommt nicht immer vom Dirigenten
Ein wichtiger Punkt ist dabei: Ein Energy Management System sollte die bestehende Anlagensteuerung nicht ersetzen. Die operative Kontrolle bleibt dort, wo sie hingehört. EPOC® EMS stellt Sollwerte und Optimierungsvorgaben bereit, die an die vorhandene Leittechnik übergeben werden können. Gleichzeitig muss der Anlagenbetreiber jederzeit die Möglichkeit haben, Vorgaben zu übersteuern oder die Optimierung zu deaktivieren.
Das ist aus meiner Sicht entscheidend.
Denn auch der beste Dirigent kann nicht jede Situation vorhersehen. Eine industrielle Anlage muss auf reale Ereignisse reagieren können: auf Produktionsänderungen, technische Einschränkungen oder ungeplante Zustände. Automatisierung braucht deshalb immer auch klare Eingriffsmöglichkeiten.
Nicht jedes Orchester spielt dieselbe Musik
Was bei einem Standort funktioniert, muss bei einem anderen noch lange nicht sinnvoll sein. Eine industrielle Anlage mit hohem Dampfbedarf hat andere Anforderungen als ein Standort mit großen elektrischen Lasten oder flexiblen thermischen Prozessen. Deshalb halte ich standardisierte Lösungen für die Softwareebene für sinnvoll – aber nicht für die Modellierung des jeweiligen Standorts.
EPOC® EMS ist entsprechend modular aufgebaut. Für wiederkehrende Blöcke und Anlagen gibt es vorgefertigte Module, die individuell zusammengesetzt und adaptiert werden können. Das EMS kann zudem in der EPOC® Suite mit weiteren Optimierungslösungen kombiniert werden. Das Grundprinzip bleibt dabei gleich: Nicht eine einzelne Anlage steht im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel des gesamten Energiesystems.
Energie wird damit zu einer steuerbaren Größe
Die Diskussion über Energie in der Industrie dreht sich häufig um Effizienz. Das ist richtig, greift aber zunehmend zu kurz. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Wie viel Energie verbraucht eine Anlage?
Sondern auch:
- Wann wird die Energie benötigt?
- Welche Flexibilität steht zur Verfügung?
- Welche Energieform ist zu welchem Zeitpunkt sinnvoll?
- Und welchen Wert hat diese Flexibilität am Markt?
Damit verändert sich auch die Rolle des Energiemanagements. Aus einem System, das Verbräuche überwacht und Kennzahlen bereitstellt, wird zunehmend ein System, das aktiv in die Planung und Optimierung des Anlagenbetriebs eingreift. Der Dirigent sorgt dabei nicht dafür, dass jedes Instrument möglichst laut spielt. Er sorgt dafür, dass das Orchester als Ganzes gut klingt.
Genau darin liegt für mich die eigentliche Aufgabe eines EMS
Ein Energy Management System sollte nicht noch ein weiteres System sein, das Daten sammelt. Es sollte Zusammenhänge erkennen, unterschiedliche Informationen zusammenführen und daraus konkrete Entscheidungen für den Betrieb ableiten.
Bei EPOC® EMS geht es deshalb nicht um ein zusätzliches Dashboard, sondern um die übergeordnete Optimierung eines industriellen Energiesystems. Die einzelnen Anlagen bleiben die Instrumente. Die bestehende Leittechnik bleibt für den eigentlichen Betrieb verantwortlich.
Und EPOC® EMS übernimmt die Rolle des Dirigenten: Es bringt technische Möglichkeiten, Betriebsanforderungen, Prognosen und Energiemärkte in einen gemeinsamen Takt. Denn je komplexer industrielle Energiesysteme werden, desto wichtiger wird nicht nur die Qualität der einzelnen Instrumente. Sondern die Qualität ihres Zusammenspiels.

Dipl.-Ing. Richard Wipp ist Geschäftsführer und CEO der CONENGA Group und verantwortet seit 2020 den Aufbau, die operative Führung und die technische Entwicklung des Unternehmens. Sein Schwerpunkt liegt auf der Optimierung, Regelung und Digitalisierung von Energieanlagen, insbesondere Biomassekraftwerken, Reststoffverbrennungsanlagen und Fernwärmesystemen.
Mit über 20 Jahren Erfahrung im Engineering und in der praktischen Umsetzung komplexer Industrieprojekte verfügt er über umfassende Expertise in der Entwicklung und Implementierung innovativer Regelungs- und Optimierungslösungen für thermische Energieanlagen. Bereits 2007 gründete er die VOIGT+WIPP Engineers GmbH (heute CONENGA Engineers GmbH) und verantwortete als Geschäftsführer den operativen Aufbau und die technische Entwicklung des Engineering-Büros. 2013 folgte die Gründung der VOIGT+WIPP Energy & Environment GmbH (heute CONENGA Energy & Environment GmbH), die sich auf innovative Lösungen zur Effizienzsteigerung und Emissionsreduktion konzentriert.
Richard Wipp studierte Maschinenbau an der Technischen Universität Wien sowie an der Universidad Politécnica de Valencia in Spanien und verfügt über eine fundierte technische Ausbildung mit Schwerpunkt auf thermischen Prozessen und Energieanlagen.
Im Rahmen seiner Tätigkeit bei CONENGA verantwortet Dipl.-Ing. Wipp zahlreiche nationale und internationale Optimierungsprojekte für Verbrennungs- und Industrieanlagen, darunter KI-basierte Regelungssysteme, modellprädiktive Regelung (MPC), Emissionsoptimierung und Effizienzsteigerung komplexer Energieanlagen. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Rahmen internationaler Fachveranstaltungen, Forschungsprojekte und Fachkreise im Bereich Wirbelschichttechnologie, Fernwärmesysteme und Anlagenoptimierung präsentiert.
Expertise
- Optimierung und Regelung thermischer Energieanlagen
- Biomassekraftwerke und Reststoffverbrennungsanlagen
- Advanced Process Control (APC) und modellprädiktive Regelung (MPC)
- Emissionsoptimierung und Effizienzsteigerung
- Digitalisierung und datenbasierte Prozessoptimierung
- Engineering und Implementierung komplexer Energieanlagen
Fokusbereiche bei CONENGA
- Optimierung von Biomasse- und Industrieanlagen
- Entwicklung und Implementierung intelligenter Regelungssysteme
- Emissionsreduktion und Effizienzsteigerung
- Digitalisierung und Advanced Process Control
- Engineering und technische Leitung von Optimierungsprojekten





