Warum gute Potenzialstudien mehr sind als nur Analysen – Ein Blick aus der Praxis
Wenn ich auf die letzten15 Jahre bei der CONENGA zurückblicke, dann fällt eines besonders auf: Kaum eine Aufgabenstellung gleicht der anderen. Und trotzdem gibt es ein Muster. Immer dann, wenn Kunden mit einer konkreten Frage, einem Problem oder auch nur einem vagen Gefühl zu uns kommen („Da geht noch mehr“), beginnt die eigentliche Arbeit.
Viele verbinden mit einer Potenzialstudie zunächst eine klassische Analyse. Daten werden ausgewertet, Anlagen betrachtet, Kennzahlen berechnet. Das gehört selbstverständlich dazu – aber es greift zu kurz. Für uns ist eine Potenzialstudie dann gut, wenn sie über das Verstehen hinausgeht und den Weg zur Veränderung aufzeigt.
Worum es am Anfang wirklich geht
In einigen Fällen sehen wir uns mit sehr klar formulierten Fragestellungen und Themen konfrontiert, in die bereits viel an Analysearbeit und Energie geflossen ist – oft auch Studien vorliegen – und dennoch fehlt bis dato das zufriedenstellende Ergebnis. Doch meist fehlt am Anfang die perfekte Fragestellung. Oft sind es Symptome, auf denen der Fokus liegt: zu wenig Leistung, steigende Emissionen, wirtschaftlicher Druck oder der Wunsch nach Dekarbonisierung. Unsere erste Aufgabe ist es deshalb, gemeinsam mit dem Kunden überhaupt sauber zu klären, worum es geht – und genauso wichtig: worum nicht.
Diese Klarheit entscheidet später darüber, ob eine Studie einen wirklichen Mehrwert bringt.
Analyse heißt auch: vor Ort sein und zuhören
Natürlich arbeiten wir intensiv mit Daten – Betriebsdaten, Leistungswerte, Prozessdaten und Messreihen. Aber mindestens genauso wichtig ist das, was man nicht in Tabellen findet: Gespräche mit Mitarbeitern, eine umfassende Besichtigung der Anlagen, das Verständnis für die gewachsene Strukturen und Zusammenhänge, nicht nur die technischen.So finden sich viele der entscheidenden Hinweise im Maschinenraum oder im Leitstand und nicht im Excel Sheet.
Vom Datenpunkt zur Erkenntnis
Die eigentliche Herausforderung beginnt nach der Analyse. Daten, Zahlen und Trends allein helfen niemandem. Erst wenn daraus ein klares Bild entsteht – wo stehen wir, wo liegen Engpässe, welche Zusammenhänge wirken im System – entsteht echter Mehrwert. Wir investieren viel Zeit in genau diesen Schritt: Zusammenhänge sichtbar machen, Dinge auf den Punkt bringen, auch unbequeme Wahrheiten klar benennen. Potenziale sind nur dann relevant, wenn sie umsetzbar sind.
Ein häufiger Fehler in Studien ist aus meiner Sicht, dass Potenziale isoliert betrachtet werden. Technisch möglich heißt noch lange nicht sinnvoll. Und Veränderungen in komplexen Systemen haben Auswirkungen, auch dort wo man sie vielleicht nicht vermutet. Deshalb bewerten wir konsequent entlang von drei Dimensionen: systemisch-technisch, wirtschaftlich und zunehmend auch ökologisch.
Am Ende interessiert den Kunden nicht, was theoretisch geht – sondern was konkret Sinn macht. Und genau hier beginnt der Teil, der oft unterschätzt wird: die Entwicklung von Maßnahmen. Also die Frage, wie ein identifiziertes Potenzial tatsächlich gehoben werden kann. Manchmal sind es kleine Anpassungen in der Regelung, manchmal größere Eingriffe in die Anlage oder sogar strategische Veränderungen im Gesamtsystem.
Warum viele gute Studien wirkungslos bleiben
Ein Punkt, der mir persönlich wichtig ist: Eine Potenzialstudie verändert noch nichts. Sie schafft nur die Grundlage dafür. Ob daraus echte Verbesserung entsteht, entscheidet sich danach. Werden die Ergebnisse verstanden? Werden sie intern getragen? Gibt es den Willen zur Umsetzung? Deshalb sehen wir Kommunikation nicht als „letzten Schritt“, sondern als zentralen Bestandteil der Arbeit. Eine gute Studie muss so aufbereitet sein, dass sie Entscheidungen ermöglicht – nicht nur informiert.
Was wir in all den Jahren gelernt haben
Erfolgreiche Projekte haben ein paar Dinge gemeinsam:
- Es gibt Klarheit über Ziel und Erwartung
- Die relevanten Personen sind früh eingebunden
- Ergebnisse werden offen diskutiert – auch kritisch
- Und: Es folgt tatsächlich eine Umsetzung
Wenn diese Punkte zusammenkommen, dann entfaltet eine Potenzialstudie ihre eigentliche Wirkung.
Mein Fazit
Eine gute Potenzialstudie ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, um fundierte Entscheidungen zu treffen und Veränderungen anzustoßen. Oder einfacher gesagt: Es geht nicht darum, alles zu analysieren. Es geht darum, das Richtige zu verändern.

Dipl.-Ing. Ralf Ohnmacht ist Senior Process Engineer bei der CONENGA Group und verantwortet die Durchführung von Potenzialstudien sowie die technische Analyse und Optimierung thermischer Energieanlagen. Sein Schwerpunkt liegt auf Verbrennungstechnologien, Bilanzierungen, Datenanalysen sowie der Simulation und wirtschaftlichen Bewertung komplexer Energiesysteme. Er verfügt über langjährige Erfahrung in Engineering, Forschung und internationalen technischen Einsätzen und bringt umfassende Expertise in der Analyse und Optimierung von Energie- und Industrieanlagen mit. Seit 2018 führt er zudem ein eigenes Ingenieurbüro.
Ralf Ohnmacht studierte Maschinenbau mit Schwerpunkt Energietechnik an der Technischen Universität Wien und ist Certified Measurement & Verification Professional (CMVP).
Expertise
- Potenzialstudien und technische Bewertung von Energieanlagen
- Verbrennungstechnologien und thermische Prozesse
- Bilanzierung, Datenanalyse und Simulation
- Kraftwerksaudits und Wirtschaftlichkeitsanalysen
Fokusbereiche bei CONENGA
- Analyse und Optimierung von Energieanlagen
- Durchführung von Kraftwerksaudits und Potenzialstudien
- Simulation und datenbasierte Prozessbewertung
- Szenario- und Wirtschaftlichkeitsanalysen





