Richtig Messen
„Wer misst, misst Mist“ – dieses Sprichwort hört man häufig im technischen Umfeld. Wir schreiben dieses aber zum Gegenteil um:
„Wer richtig misst, schafft die Grundlage für fundierte Entscheidungen.“
In Industrie- und Feuerungsanlagen bilden fest installierte Messsysteme die Basis für den täglichen Betrieb. Sie liefern die Daten, anhand derer Prozesse geregelt und Anlagen über-wacht werden. Doch Messungen können durch ungünstige Einbausituationen, Verschmut-zungen, Alterung oder Fehler bei der Messdatenumrechnung beeinflusst werden. Infolgedes-sen wird die Anlage möglicherweise nicht im optimalen Betriebspunkt gefahren.
Mit einer gezielten Messkampagne kann hier Klarheit geschaffen, können Schwachstellen identifiziert und Optimierungspotenziale aufgedeckt werden.
Was ist eine Messkampagne?
Bei einer Messkampagne wird eine ausgewählte Messgröße wie beispielsweise Temperatur, Druck, Fluidgeschwindigkeit, Sauerstoffkonzentration oder Wärmemengen mit speziell dafür vorgesehenen Messgeräten detailliert untersucht. Ziel ist es, ein möglichst genaues Bild des tatsächlichen Anlagenzustands zu erhalten und aus den Ergebnissen Schlüsse für den laufenden Betrieb zu ziehen. Initialzünder für konkrete Messungen sind oftmals unerwartete Daten aus betrieblichen Messungen, nicht konsistente Bilanzen oder nicht erwartet hohe Verbräuche an Betriebsmittel.
Durchgeführt werden die Messungen von fachkundigem Personal der CONENGA Engineers an Ihrer, in Betrieb befindlichen, thermischen Anlage. Somit wird durch derartige Messungen kein Anlagenstillstand verursacht und es entsteht für Sie kein zusätzlicher Aufwand. Nach der Messung werden die gewonnenen Daten aufbereitet und interpretiert. Sie bilden die Grundlage für verfahrens- und regelungstechnische Optimierungen. Messkampagnen sind somit kein Selbstzweck. Ähnlich wie Potenzialstudien dienen sie dazu, konkrete Maßnahmen zur Effizienzsteigerung, Kostensenkung oder Verbesserung der Prozessstabilität abzuleiten.
Praxisbeispiel SNCR-Anlage
Ein Beispiel aus der Praxis ist die Netztemperaturmessung im ersten Kesselzug einer thermischen Verbrennungsanlage. Anlass für die Untersuchung war ein ungewöhnlich hoher Verbrauch an Ammoniakwasser in der SNCR-Anlage zur Stickoxidminderung.
Unsere Experten vermuteten, dass das Reaktionsmittel außerhalb des optimalen Temperaturfensters eingedüst wurde und dadurch ein höherer Mitteleinsatz erforderlich war. Um diese Hypothese zu überprüfen, wurde eine detaillierte Temperaturmessung über den gesamten Querschnitt des Kesselzuges durchgeführt. Hierfür kamen mehrere Sensoren zum Einsatz, die sowohl die Absoluttemperaturen an den jeweiligen Messstellen erfassten.
Zusätzlich konnte dann auch eine räumliche Temperaturverteilung im Kesselzug festgestellt und veranschaulicht werden.
Die Messungen bestätigten die Vermutung. Es zeigte sich, dass die Temperaturverteilung deutlich von den bisherigen Annahmen abwich. Auf Basis der Ergebnisse konnten gezielte und vergleichsweise kostengünstige Anpassungen vorgeschlagen werden. Dadurch ließ sich der Verbrauch an Ammoniakwasser nachhaltig reduzieren und die Wirtschaftlichkeit des Anlagenbetriebs verbessern.
Fazit
Durch Messkampagnen wird der IST-Stand der Anlage in Bezug auf ausgewählte Messgrö-ßen detailliert erfasst. Nach der Messung durch fachkundiges Personal vor Ort werden die Daten aufbereitet, wodurch sich Schlüsse für einen effizienteren Betrieb Ihrer thermischen Anlage schließen lassen. Somit erfüllt eine derartige Messung keinen Selbstzweck, sondern bietet die Grundlage für Entscheidungen zu konkreten Maßnahmen, die Ihre Anlage optimie-ren.
Typische Anwendungsfälle von Messkampagnen
- Schließen von Energie- und Massenstrombilanzen
- Feststellen von Temperaturschieflagen in Kesselzügen
- Messen der akkuraten Rauchgastemperatur für
- Optimalen Betriebspunkt der SNCR -> Einsparung von Reaktionsmittel
- Vermeidung Kesselkorrosion -> Standzeitverlängerung
- Optimale Umgebungsbedingungen für Rauchgasadditiv -> Einsparung von Additiv
- Überprüfung von Betriebsmessungen
- Sauerstoffkonzentration
- Durchfluss
- Druck
- Temperatur

Jakob Hirsch, BSc ist Process Engineer bei der CONENGA Group und beschäftigt sich mit der Planung und Umsetzung von Optimierungsprojekten, der Durchführung von Potenzialstudien sowie der Konzeption und Begleitung von Messkampagnen für Energie- und Industrieanlagen. Sein Schwerpunkt liegt auf der verfahrenstechnischen Auslegung von Feuerungs- und Rauchgasreinigungsanlagen sowie dem Vergleich unterschiedlicher Anlagentechnologien.
Durch sein Studium der Erneuerbaren Energien sowie sein laufendes Masterstudium im Bereich Regenerative Energiesysteme und technisches Energiemanagement verbindet er fundiertes verfahrenstechnisches Know-how mit aktuellen Entwicklungen im Energiesektor.
Expertise
- Verfahrenstechnische Auslegung von Energieanlagen
Messkampagnen und Anlagenanalyse
Feuerungs- und Rauchgasreinigungsanlagen
Potenzialstudien und Technologievergleiche
Optimierungsprojekte und Servicierungsarbeiten
Erneuerbare Energiesysteme
Fokusbereiche bei CONENGA
- Planung und Umsetzung von Optimierungsprojekten
Konzeption und Durchführung von Messkampagnen
Verfahrenstechnische Analyse von Energieanlagen
Durchführung von Potenzialstudien
Technologievergleiche und Anlagenbewertung






