Low Hanging Fruits zuerst: Effizienzpotenziale einfach pflücken
Wenn es um Effizienzsteigerung in Energie- und Produktionsanlagen geht, denken viele zuerst an große Investitionen wie neue Technologien, umfangreiche Umbauten oder komplexe Projekte. Während Mid- und Long-Term-Maßnahmen oft mit genau diesen Aspekten in Verbindung gebracht werden, gibt es eine Kategorie, die häufig unterschätzt wird – die Low Hanging Fruits. Darunter verstehen wir kurzfristig umsetzbare Optimierungen, die mit geringem Aufwand realisiert werden können und eine unmittelbare, oft messbare Wirkung entfalten. Diese Low Hanging Fruits können teilweise bereits während eines typischen Vor-Ort-Besuchs umgesetzt und ihre Auswirkungen direkt gemeinsam bewertet werden.
Anlagen verstehen statt vorschnell optimieren
Wenn wir in Anlagen kommen, ist unser erster Schritt nicht, Lösungen zu präsentieren. Wir wollen verstehen, wie die Anlage wirklich läuft, und mit dem Betriebspersonal ins Gespräch kommen. Dabei hören wir oft Sätze wie „So fahren wir schon immer“ oder „Das haben wir vor Jahren so eingestellt“. Das ist absolut nachvollziehbar und zeigt häufig, dass die Anlage stabil betrieben wird. Gleichzeitig sind das aber auch Momente, in denen wir besonders aufmerksam werden.
Denn die Rahmenbedingungen – etwa Energiepreise, Rohstoffe oder Lastprofile – verändern sich im Laufe der Betriebsjahre. Die Einstellungen werden jedoch oft nicht an diese neuen Gegebenheiten angepasst. Nicht, weil sie falsch sind, sondern weil sie sich bewährt haben und im stressigen Alltag kein Anlass besteht, sie zu hinterfragen. Genau hier entstehen häufig Low Hanging Fruits.
Viele kleine Stellschrauben statt eines großen Hebels
Wir finden dabei selten große „Aha-Momente“, sondern vielmehr viele kleine Stellschrauben, die sich über die Zeit etabliert haben und nicht mehr hinterfragt werden. In Biomasseanlagen sehen wir beispielsweise oft leicht konservativ eingestellte Betriebsparameter. Das können etwa Luftverhältnisse oder Temperaturen sein, die ursprünglich für einen sicheren Betrieb gewählt wurden, heute jedoch unnötige Verluste verursachen. Bereits kleine Anpassungen können hier den Wirkungsgrad spürbar verbessern.
Auch in der Industrie liegt häufig Potenzial in der Fahrweise bei Teillast. Anlagen werden hier oft stabil, aber nicht optimal betrieben. Eine individuell angepasste Regelstrategie kann den Energieverbrauch deutlich reduzieren, ohne den Prozess zu destabilisieren.
Ein weiteres klassisches Thema sind Verluste, die einfach „mitlaufen“ – beispielsweise Dampf, der nicht optimal genutzt wird, oder Druckluftsysteme mit kleinen Leckagen. Oft ist nichts davon neu, aber im Alltag fehlt die Zeit, diese Themen konsequent zu verfolgen. So entsteht der Hebel der Low Hanging Fruits: nicht durch eine einzelne große Maßnahme, sondern durch die Summe vieler kleiner Verbesserungen.
Der externe Blick als entscheidender Faktor
Wir als CONENGA bringen dabei oft eine neue Perspektive in die Anlage. Wer täglich mit einer Anlage arbeitet, verfügt über ein enormes Erfahrungswissen, entwickelt aber auch eine natürliche Betriebsroutine. Dinge, die „immer schon so waren“, werden nicht mehr aktiv hinterfragt. Wir kommen ohne diese Historie, bringen jedoch Erfahrungen aus vielen anderen Anlagen mit. Durch unsere Arbeit in unterschiedlichen Branchen und mit verschiedensten Fahrweisen können wir einen fundierten Vergleich zwischen der jeweiligen Anlage und dem Stand der Technik ziehen.
Daraus entstehen oft die entscheidenden Fragen, um Potenziale zu identifizieren. Dabei gehen wir bewusst in die Tiefe und stellen auch einmal unbequeme Fragen wie: „Warum läuft dieser Prozess genau so?“ oder „Muss dieser Parameter auf diesem Niveau bleiben oder gibt es Spielraum?“. Das ist kein radikaler Eingriff und kein Infragestellen der bestehenden Betriebsweise, sondern der Versuch, die Grundlagen des Betriebs genau zu verstehen, um gezielte und sinnvolle Anpassungen vorschlagen zu können.
„Unsichtbare“ Optimierung mit messbarem Effekt
Die Optimierung wirkt dabei oft unsichtbar. Es stehen keine großen Investitionen dahinter und es entstehen keine langen Wartezeiten. Eine angepasste Regelung hier, eine optimierte Fahrweise im Teillastbereich dort und die Reduktion von Verlusten, die bisher als gegeben akzeptiert wurden – in Summe erzielen diese kleinen Eingriffe einen spürbaren Effekt. Prozesse laufen stabiler, vorhandene Ressourcen werden besser genutzt und Energiekosten können reduziert werden. Gerade in energieintensiven Betrieben kann dieser Hebel entscheidend sein.
Low Hanging Fruits als Startpunkt jeder Optimierung
Für uns sind Low Hanging Fruits kein Nebenprodukt einer Analyse, sondern stehen oft bewusst am Anfang einer Potenzialstudie im Fokus. Wir arbeiten dabei eng mit dem Betrieb und dem Anlagenpersonal zusammen. Unser Ziel ist es nicht, Bestehendes schlechtzureden oder zu ersetzen, sondern zur Weiterentwicklung beizutragen. Die besten Lösungen entstehen häufig durch neue Impulse.
Unser Anspruch als CONENGA Group ist es, Potenziale nicht nur zu identifizieren, sondern auch greifbar und umsetzbar zu machen, sodass aus der Analyse direkt eine Umsetzung folgen kann.
Der Erfolg einer Potenzialstudie zeigt sich dabei nicht nur in den Ergebnissen auf dem Papier, sondern vor allem in den tatsächlich realisierten Einsparungen.

Jessica Hübner, MSc, ist Process Engineer bei der CONENGA Group und spezialisiert auf Verfahrenstechnik mit Fokus auf erneuerbare Energien. Nach ersten Tätigkeiten im Bereich Visualisierung (2021-2023) liegt ihr Schwerpunkt seit 2023 in der Verfahrenstechnik und im Anlagenbau – hierbei insbesondere bei Sicherheitsbeurteilungen und der Projektkoordination innerhalb der Unternehmensgruppe.
Ihr Masterstudium der erneuerbaren Energien absolvierte sie an der FH Technikum Wien, wo sie zuvor auch den Bachelorstudiengang Urbane erneuerbare Energietechnologien abschloss. Um ihre Expertise in der klassischen Prozessentwicklung zu vertiefen, absolviert sie seit 2024 zusätzlich das Bachelorstudium Verfahrenstechnik an der TU Wien.
Praktische Erfahrung sammelte sie bereits während ihrer Ausbildung, unter anderem als Praktikantin bei der CONENGA Group sowie im Rahmen eines Ferialjobs bei der ODU GmbH & Co.
Durch ihren akademischen Hintergrund in den Energietechnologien und ihre mehrjährige Erfahrung in der Verfahrenstechnik verfügt sie über fundiertes Know-how in der technischen Umsetzung und Koordination nachhaltiger Industrieprojekte.





